Aktuelles

Auflösung des Kriminalfalls

Dienstag, 26.06.18

zum Stadtgründungsfest 2018

Revolutionen, Aufstände & Tragödien in der Geschichte Münchens

Kurzbeschreibung des Kriminalfalls und seine Aufklärung

Man schreibt das Jahr 1872: Der Zusammenbruch der „Dachauer Bank“, gegründet von der Schauspielerin Adele Spitzeder, erregt die ganze Stadt München. Diese hatte jedem Kunden für sein angelegtes Geld bei ihrer Bank 10 % Zinsen bar auf die Hand versprochen. Bei den ersten Einlegern war das auch kein Problem, da von dem Geld der Nachkommenden die Zinsen bezahlt wurden. Das System wurde als Schneeballsystem berühmt/ berüchtigt und bis heute oftmals nachgeahmt.
Viele Münchner Bürger haben bei diesem Geschäft ihr erspartes oder durch Handel erworbenes Geld verloren, aber auch viele Bauern aus dem Umland, die Haus und Hof im guten Glauben verkauft hatten, fortan von den Zinsen leben zu können, sahen sich betrogen. Nicht wenige, die dadurch ruiniert waren, nahmen sich das Leben.
In unserem Kriminalfall waren mehrere Schicksale einzelner Bürger so miteinander verwoben, dass das Ausmaß der Tragödie ersichtlich wurde. Der reiche Tuchhändler Tobias Impler, der nicht nur eigenes Geld bei der Bank angelegt hatte, sondern als Kämmerer auch städtisches Geld, saß im Gefängnis. Er hatte im Verein mit anderen aufgebrachten Bürgern versucht, gewaltsam in die Bank einzudringen und sich sein Geld zurück zu holen. Dabei wurde eine Mitarbeiterin der Bank schwer verletzt, erkenntlich an dem blutgetränkten Kopfverband während der Spieltage. Und zugleich wurde in den Taschen seines Rockes ein dickes Bündel Bankscheine sicher gestellt. Da Fluchtgefahr bestand und der Hergang des Unfalls sich nicht sogleich aufklären ließ, saß er in Untersuchungshaft und konnte bei der Gelegenheit den Kindern seine Version des Tathergangs schildern.
Etwa zur gleichen Zeit wurde ein weiteres Ereignis bekannt: Der wohlhabende Weinhändler Bartolomäus Ganserl war von seinem Gang zur Floßlände an der Kohleinsel (beim Deutschen Museum) nicht mehr zurückgekehrt. Dort wollte er eine Weinlieferung aus Mittenwald abholen und hatte dazu, wie man annahm, eine größere Summe Geldes in seinen Taschen. Andererseits hatte er seiner Frau Agathe einen „Abschiedsbrief“ hinterlassen, dass er ebenfalls bei der Dachauer Bank Geld verspekuliert habe und das Gespött der Leute, das zu erwarten war, nicht ertragen könne. Die Meinungen seiner Nachbarn schwankten zwischen Überfall (an der Floßlände hielten sich immer wieder zwielichtige Personen zur Arbeitssuche auf) oder gar Selbstmord, aber eine Suche an der Isar war ergebnislos verlaufen. Und der Wäschereibesitzerin Berta Lohwasser war aus dem Laden eine Schatulle mit Goldmünzen gestohlen worden, über deren Herkunft sie sich ausschwieg und deren Wert sie nicht kannte.

Für den Kgl. Hofkommissar Dingfelder gab es also mehrere Fälle gleichzeitig aufzuklären und obendrein nervte ihn eine studentische Schauspieltruppe, welche ein neues Stück über alle Revolutionen, die in München jemals stattgefunden hatten, probte und das direkt vor seinem Kommissariat. Hilfe zur Aufklärung der mehr als verzwickten Fälle suchte er bei jungen Detektiven, die er in einem ausgeklügelten Schnellverfahren ausbildete. Die „ausgewählten“ Kandidaten (waren alle aufklärungswilligen Kinder) erhielten eine schriftliche Zusammenfassung aller Fälle mit Aufträgen, welche Personen zu verhören und welche Tatorte zu untersuchen waren. Nebenbei sollte festgestellt werden, welchen Schaden die Bankpleite bei den Handwerkern und Werkstattbesitzerinnen im Alten Hof verursacht hatte: Der Gulden von damals war dafür mit 10,5 € zu multiplizieren und so ergab die Umrechnung einen Gesamtschaden von ungefähr 380 - 400 Millionen Euro.
Die Gerichtsverhandlung zum Abschluß der kriminalistischen Untersuchung, welche der kgl. Hofrichter Gustl Beil leitete, brachte folgendes Ergebnis und jeweilige Urteile:
- Der Tuchhändler und Magistratsherr Tobias Impler wurde freigesprochen, da selbst die Bankangestellte Anna Lohwasser keine genaue Aussage mehr über den Hergang der Ereignisse bei der Bankerstürmung machen konnte. Und die Herkunft des Geldbündels in der Tasche des Herrn Impler war ebenfalls nicht mehr eindeutig festzustellen (er behauptete, es wäre sein eigenes). Der Sachverhalt, dass er mit städtischem Geld bei der Bank spekulierte, wurde in einen Ausschuß des Magistrats (Stadtrat) zur Behandlung verwiesen.
- Adele Spitzeder wurde zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt (aus Gesundheitsgründen wurde sie später ins Gefängnis in der Buttermelcherstraße überführt).
- Der Goldschmied Westenrieder, welcher einige der Goldmünzen aus dem Besitz der Bank an seine verehrte Wäscherin Lohwasser verschenkt hatte, wurde wegen Geringfügigkeit dazu verurteilt, sich künftig „die Fesseln der Ehe“ anzulegen (wie der Richter sich ausdrückte) und diese zu heiraten.
- Den Verbleib der gestohlenen Goldmünzen vermuteten die meisten DetektivInnen bereits im Koffer einer der Schauspielerinnen, die diesen bei der Theaterdirektorin eingestellt hatte oder in ihrer auftrittsfreien Zeit immer bei sich trug. Die Kinder forderten den Kommissar dringlich auf, den Koffer aufschließen zu lassen. Den kleinen Schlüssel dazu, das hatten sie längst entdeckt, trug die Schauspielerin Constanze Kühn, an einem Kettchen um den Hals. Tatsächlich fanden sich die Münzen gut versteckt in einem Beutel unter der Wäsche. Mit dem Erlös wollte sie sich ihren Traum erfüllen, in Paris eine Schauspielkarriere zu beginnen. Zum Verhängnis wurde ihr, dass sie versucht hatte, die Goldmünzen an den Tuchhändler Impler zu verkaufen. Mit der Reise nach Paris wurde es zunächst nichts, da sie zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Damit wäre der Kriminalfall beendet gewesen, hätte sich nicht die Weinhändlerin, Agathe Ganserl, über das milde Urteil für die Adele Spitzeder lauthals erregt, welches angesichts der Tatsache, dass sich so viele Bürger, und nicht zuletzt wohl auch ihr Mann, das Leben genommen hätten, als zu gering ausgefallen wäre. An diesem Punkt meldete sich der Tischlermeister Spänle, der gerade aus Mittenwald seine neue Holzlieferung abgeholt hatte, zu Wort: Er habe dort den Weinhändler wohlgemut und quicklebendig angetroffen, der in Bozen ein gut gehendes Geschäft für Weinexporte angefangen habe.
Das aber, so die Schlussworte des Richters, sei kein Fall, der juristisch zu bewerten sei, die milde Strafe für die Adele Spitzeder aber erkläre sich aus dem Umstand, dass es noch keine behördlichen Auflagen (weder von Stadt noch vom Staat) für derartige Bankgeschäfte gäbe und diese niemals mit Sicherheiten für die Geldeinlagen geworben habe, sondern vielmehr die Kunden ihr das Geld ungefragt geradezu ins Haus getragen hätten… Ende der Verhandlung.

Folgende Revolutionen und Aufstände wurden in Aufführungen vorgestellt

1295: Revolution der Münchner Bürger wegen Entwertung der Münzen durch Herzog Rudolf, der ihnen durch seinen Münzmeister Silber entziehen ließ. Die wirtschaftlichen Verhältnisse wurden katastrophal, der Handel brach zusammen. Die Bürger zerstören die Münzstätte auf dem Marktplatz und erhängten den Münzmeister (neuere Forschungen sagen, dass er nur verprügelt wurde/ Übersetzungsfehler aus dem Lateinischen). Der Herzog schlug die Revolution nieder, ließ drei Rädelsführer tatsächlich hängen, die Bürger mußten eine Strafe von 500 Pfund Pfennigen zahlen und eine neue Münzstätte in der Graggenau erbauen.

1397- 1403: Bürgerrevolution wegen höchster Steuerbelastung in ganz Süddeutschland. Die Zünfte wollten an der Stadtregierung beteiligt werden (Rat der Dreihundert). Ungereimtheiten in den Büchern der Stadtkasse führten zu Streitigkeiten. Die Herzogssöhne wurden sich ebenfalls uneins über die Aufteilung des Regierungserbes und entzweiten die Bürgerschaft. Es kam zu internen Kämpfen, bis sich die Herzöge Ernst und Wilhelm in München durchsetzten (belagerten die Stadt). Der Jahre dauernde Zwist brachte die Wirtschaft der Stadt in ruinöse Zustände. Die später gefundenen Aufzeichnungen des Bürgermeisters Ligsalz erlauben einen ungefähren Einblick in die verfahrenen Situationen dieser Jahre ohne tatsächliche Aufklärung.
1632: Die Schweden in München.
Im Verlauf des 30jährigen Krieges zogen die Schweden mit ihrem König Gustav Adolf vor die Stadt. Wegen der maroden und unfertigen Mauern verweigerten die Bürger eine Verteidigung der Stadt und übergaben gnädigst die Stadtschlüssel, zahlten ein hohes Lösegeld und stellten Geiseln. Allein dem Umstand, dass dem schwedischen König die Stadt so gut gefallen hat, verdanken wir ihre Verschonung vor Zerstörung.
1705: Spanischer Erbfolgekrieg.
Ein Aufstand der bayrischen Bauern gegen die österreichischen Besatzer endete durch die ängstliche Verweigerung der Münchner, die Stadttore von innen zu öffnen in einem fürchterlichen Blutbad an der Sendlinger Kirche. Heute erinnert ein Denkmal des Schmied von Kochels am selbigen Ort an dieses Ereignis, welches der Kurfürst Max Emanuel mit seinem eitlen Griff nach dem spanischen Thron verschuldet hatte.
1848: König Ludwig I. dankte in Folge seiner Affäre mit Lola Montez ab, mit welcher er sich unter anderem Unmut und Revolten der Bürger und vor allem der Studenten (wegen Schließung der Universität) zugezogen hatte. Heute verdankt ihm München durch seine Bauwerke viele Touristen aus aller Welt.
1918: Revolution und Räterepublik am Ende des I. Weltkriegs. König Ludwig III. trat zurück (ohne abzudanken). Bayern wurde Freistaat und Ministerpräsident Eisner erschossen.
Aufführungen zu den Schicksalsjahren 1933 und 1968 entfielen aus Zeitgründen.

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